Pilgern in der Romita

LA ROMITA IM FRÜHLING 2022.

In den Tagen, als mein Blog „Pilgern auf Italienisch fertig wird“ erfahre ich, dass der großartige Frate Bernardino gestorben ist.  Frate Bernardino ist ein sehr wichtiger Mensch auf meinem Pilgerweg geworden. Durch sein franziskanisches Leben, seine Weisheit, seine guten Worte, sein „Pasta e Pace“. Die Romita und Frate Bernardino werden mich ein Leben lang begleiten. Seine Ideen, seine Liebe zur Welt, zu den Menschen, zur Natur, zu Franziskus werden auf und mit der Romita weiterleben. Seine Nachfolger:innen schrieben wunderbare, tröstende Worte auf der Facebookseite der Romita.   Die Romita und Frate Bernardinos Ideen werden weiterleben. 

Der Blog beginnt mit dem Brief „La Romita im Frühling 2021“, den Frate Bernardino an uns Pilger:innen sandte.

LA ROMITA IM FRÜHLING 2021                                         

Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott

und Retter, auf den ich schaue(Psalm 42,12)

Mit dem Psalm 42, 12 hat Frater Bernardino seinen berührenden Brief an uns Pilger:innen zu Ostern begonnen.

„An die Freunde und Freundinnen der Romita

DER SINN DES LEBENS: STAUNEN UND DANKEN

Dass es mich noch gibt, betrachte ich als ein Wunder. Es ist nicht selbstverständlich. Viele von meinen Freunden und Bekannten, die sogar jünger waren als ich, sind nicht mehr. Warum bin ich noch da und andere nicht mehr? Es ist ein Rätsel. Wir, die wir noch leben, sind eigentlich dem Nichts entronnen. Uns hätte es auch nicht geben können. Vor 100 Jahren gab es uns nicht und niemand hat vorausgesagt, dass es uns eines Tages geben würde. Wir alle sind also am Nichts knapp vorbei: privilegiert, zum Leben berufen. Dass wir sterben ist normal, dass wir leben ist ein Wunder.“

Mit seinem Frühlingsbrief 2021 FRÜHLING 2021-2 erzählt Frater Bernardino von seinem Leben vor der Romita und mit der Romita – und er thematisiert auch die Corona-Pandemie.

Das Coronavirus, das uns seit einem Jahr zu schaffen gibt, ist ein Warnzeichen von der Natur an uns. Sie beschwert und wehrt sich gegen unseren Wahn von einem unbegrenzten Wachstum. Werden wir den Schrei von Mutter Erde überhören und weiterhin ausbeuterisch und selbstzerstörerisch mit ihr umgehen? Oder ehrfurchtsvoll, achtsam und sanft? Werden wir endlich begreifen, dass der Ausweg aus der Pandemie nicht der Impfstoff sein kann, sondern ein radikales Umdenken und Umschwenken, in dem wir unsere Mit-Welt sorge- und liebevoll behandeln und unser Immunsystem stärken?

Pilgern auf der Romita 2019

Gott sei Dank gab ich im Herbst 2019 meiner Sehnsucht nach der Romita nach und kaufte spontan ein Ticket nach Italien.

Voglio svegliare l’aurora.

Ich möchte die Morgendämmerung wecken.

 

Und wieder begegnete ich auf dem Franziskuspilger:innenweg Menschen, die ich nie mehr vergessen werde.

 

 

 

Just am Tag meiner Abreise gab es in Bayern 2 Tagesgespräch die Frage: Wie kann sich die Kirche erneuern? Ich rief Bayern 2 an, kam dran und sagte: Ich habe die Kirche für mich selbst erneuert, in dem ich zu pilgern anfing. Und auf dem Pilger:innenweg begegnete ich einfach faszinierenden Menschen. Es ist wert, in der Katholischen Kirche zu bleiben.

Ich hatte von Anfang an Glück mit dieser „Pilger:innenreise auf Italienisch“. Ein Freund brachte mich zum Hauptbahnhof München, am 23.9.2019. Die Reisekameraden im Zugabteil kamen aus Ohio und New York. Der New Yorker stellte sich vor; so stellte ich mich höflicherweise auch vor und trat aus meiner Distanz heraus. Dann kamen ins Abteil zwei junge Oktoberfestbesucher, Alex und sein Freund aus Ohio. Eine nette Reisegesellschaft.

New York fragte Ohio: What is your goal in life? Der Physiotherapist aus Ohio sagte: I want to help people. I give them a nudge. Lots of depression could be avoided if people did some exercise.

Die drei Männer hatten Berlin entdeckt, dann München und waren auf dem Weg nach Florenz und dann nach Rom. „We are heavy catholics“, sagten sie. „We heard that there is a special energy in Rome“.

Ich erzählte, dass ich in Rom einmal eine Deutsche Nonne traf, die in Rom im Kloster der Pallottinerinnen lebt und jeden Tag zum Petersdom geht. Sie sagte damals: „Die Menschen gehen glücklicher aussehend vom Petersplatz als wie sie gekommen sind.“

Diese Orte waren mir schon vertraut, Orvieto und Orte, auf dem Weg zur Romita.

 

 

 

 

In Terni aß ich glücklich zwei Panini verdure und wartete auf den Bus nach Cesi um 12 Uhr 10. Die Ticketverkäufer am Busbahnhof (der sich ein Stück hinter dem Bahnhof von Terni befindet) kennen die Romita. So bekam ich die richtigen Tickets und den aktuellen Fahrplan.

Ich freute mich auf die Romita, hatte keine Erwartung, sondern wollte einfach nur in Bewegung sein. Das Vertraute neu entdecken.

Jede lange Reise beginnt mit einem kleinen Schritt.

Auf dem Weg zur Romita hatte ich mich doch tatsächlich verirrt. Ich war irgendwie auf die Strada forestale, die Forststraße geraten. An der Straße hielt ich zwei Radfahrer an. Sie konnten mir weiterhelfen.

Von der Forststraße aus sah‘ ich die weiße Fahne der Romita.

Eindrücke vom Aufstieg zur Romita 2019. Die kleinen Fahne oben gehört zur Romita.

Caterina führte mich gleich in meine Zelle. Alles war vertraut.

Angekommen.

Eine Pilgerin war schon da. Traude Wild pilgert durch die Welt und schreibt darüber den Blog über Traudes Pilger:innenreise in Italien. 

Ich will dem Erlebten eine Form geben“, sagte Traude und gibt mir damit gleich eine Antwort an die Hand, warum ich meine Blogs schreibe.

Ich darf in der Küche mithelfen. Ho tagliato l’erba – ich pflücke Gewürze. Und ich lerne meine erste Vokabel: Patcha Matura – Mulch für den Garten, der langsam winterfest gemacht werden soll.

Ich gehe wieder durch Bilder einer Ausstellung.

Die Hunde sind freundlich zu uns. 

 „I cani potrebbero difendere la Romita”. Die Hunde könnten die Romita verteidigen.

Zur Romita hatten sich junge Italiener:innen gesellt. Die jungen Leute hatten von der Romita gehört und wollten Frater Bernardino und der Romita helfen. Es ergab sich wieder eine Pilger:innengemeinschaft.

Das waren meine ersten Aufgaben: Ich habe im Garten gearbeitet und den Tisch vorbereitet: Ho lavorato nell’orto e ho preparato la tavola. Gut, dass Du das machst, sagte Frater Bernardino. Ich freue mich über die freundlichen Worte.

Ich bin glücklich auf der Romita das wieder beleben zu können, was ich 2018 auf der Romita gelernt hatte: Die ersten dreißig Minuten des Tages gehören dem benessere della vita. Dem Gutsein dem Körper und der Seele gegenüber.

Frater Bernardino hatte in der Woche meiner Ankunft seine Familie in seinem Heimatort besucht – wir Pilger:innen waren unter uns und doch war Frate Bernardino (Frater auf italienisch Frate) präsent.

Wir sprachen am Abendtisch über das Pilgern, und darüber, dass wir möglicherweise nie irgendwo ankommen. Ist das wichtig? Traude erzählte ein Rilke-Gedicht, das eine Antwort anbietet. Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen.

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang. Rainer Maria Rilke.

 

An einem Abend ergab sich ein Gespräch über „Der Weg zum ewigen Seelenfrieden“. Und wir reden ein wenig auch für das Franziskanische System. Wie überall gibt es auch hier Probleme. „Il sistema soffre di paura“. Wenn ein System unter Angst leidet, gibt es Ungerechtigkeiten und Probleme.

Wir werden nachdenklich und beschließen, zur Höhle von Franziskus zu gehen.

Drei Frauen zusammen zur Höhle von Franziskus. Wir erfuhren, dass es sich bei der Höhle vermutlich um eine alte Fruchtbarkeitshöhle gehandelt hat. Bewusst sehen wir die „Brust“ an der Höhle des Franziskus. Hier hat Franziskus über den Canto delle creature nachgedacht. In der Höhle hat Franziskus auch gelebt.

Über was hat er meditiert“, will Traude wissen. In seinen Schriften wird es wohl immer wieder zu erkennen sein.

Das Belvedere. Vor hier aus sah Franziskus halb Umbrien.

Im Herbst sind die Früchte reif. Die Romita bereitet sich auf den Winter vor. Ich helfe mit, Feigen zu schneiden und zu trocknen.

Und ich laufe durch Bilder einer wunderbaren Ausstellung.

Bald beginne ich mit meinem Mini-Pilgern rund um die Romita. Ich möchte zum Ort San Gemini laufen. Vor dort soll Franziskus im Jahr 1213 zum ersten Mal die Romita gesehen haben. Das bestätigte Frate Bernardino.

Als Franziskus 1213 in San Gemini war, erzählten die Leute ihm von einer verlassenen Benediktiner-Kapelle. Franziskus baute diese Kapelle wieder auf – der Beginn der Romita.

1991 war es Frate Bernardino, der aus dem verfallenen Kloster der Benediktiner die Romita zurück ins Leben rief. In seinem Frühlingsbrief 2021 erzählt er darüber. FRÜHLING 2021-2

Die Zellen damals vor 1991 und heute – und die kleinen Eimer fürs Wasser schöpfen – fürs Badezimmer.

Am Morgen laufe ich los, nach San Gemini. Wie ich auf dem Weg merken sollte, ganz ohne Geld. Und trotzdem kehre ich nicht um – eine neue Pilger:innenerfahrung.

Die Romita und das Leben gehen bergauf.

Der Cammino Protomartiri Francescani führt um die Romita herum nach Cesi.

Wie schön – das hübsche, blumengeschmückte Cesi wartet.  

und dann geht es in 1 ½ Stunden an der Straße entlang nach San Gemini. Der Weg zog sich und ich hatte Sorge, abends rechtzeitig zurück in der Romita zu sein.

Von weitem grüßt schon San Gemini. Ich kann jetzt nicht mehr umkehren. Ich musste nach San Gemini.

Ich fand kleine Pflaumen auf der Straße und hatte eine Verköstigung.

Wieder hatte ich Glück. Einige Kilometer nach Cesi hielt ein Auto an. Franco hat Mitleid mit der Pilgerin und gab mir einen Lift nach San Gemini. Franco sagte, er sei 94 Jahre alt. Er fuhr mir zuliebe einen kleinen Umweg und entließ mich in ein verzaubertes San Gemini. 

Kein Geld – kein Eis.

Die Kirche San Francesco erbaute der dankbare Ehemann einer Frau, die von Franziskus der Legende nach geheilt wurde.

1213 besuchte Franziskus San Gemini und 1213 besuchte Franziskus auch die Romita.

Franziskus soll eine kranke Ehefrau aus der Familie Capitoni geheilt haben. Einige Zeit nach dem Tod von San Francis spendete die Familie Capitoni 1226 das Land für Kirchen- und Franziskanerklöster. Die Kirche Chiesa di S. Francesco befand sich ursprünglich außerhalb der Stadtmauern, gegenüber dem Haupttor der Stadt (Porta Burgi) in einem Bereich, der als Hauptmarktgelände genutzt wurde. Zu dieser Zeit war es üblich, dass sich Klosterkomplexe außerhalb der Stadtgrenzen befanden, um eine größere Unabhängigkeit von den örtlichen Bischöfen zu gewährleisten. Die Familie Capitoni war der Hauptpatron beim Bau der Kirche. Ihr Wappen ist in den Türpfosten deutlich sichtbar.

  

Das einladende Tourismusbüro von San Gemini ist hier untergebracht.

Die nette Dame in der „Informazioni Turistiche“ sagte, dass Franziskus vielleicht die verfallene Kapelle der Benediktiner nicht sehen konnte, sich aber von dem magischen Ort angezogen fühlte. Sie erzählte, dass an der Höhle von Franziskus Yoga-Gruppen üben würden. Und dass an der Stelle, wo heute die Kirche San Francesco steht, das Haus der kranken Frau gestanden hatte. Die Fresken an dem ehemaligen Wohnhaus erzählen von Franziskus.

 

Am frühen Nachmittag verabschiedete ich mich von dem lebhaften San Gemini.

Gott sei Dank habe ich die Leute vom „Motoclub San Gemini“ gefragt, wie ich am besten zur Romita komme.  Hätte ich nur nach Cesi gefragt, wäre ich den kompletten Umweg gegangen. Ich hätte mir nicht mal ein Taxi leisten können – ohne Geld. Ich war in Eile. Die Leute vom Motoclub schenkten mir zwei Flaschen Wasser. Es wurde für mich gesorgt.

Per andare alla Romita non bisogna andare a Cesi“ – sondern ich sollte Richtung der Cavi di Carsulae gehen. Die Ausgrabungsstätte kannte ich schon vom letzten Jahr.

 

Beim Zurückpilgern wird mir bewusst: Ich wandere auf den Spuren von Franziskus.

Wandernd auf dem Heimweg freute ich mich auf die Romita – die Pilger:innen und auf Frate Bernardino. Am 28.9. sollte Frate Bernardino von seinem Heimatbesuch heimkehren. Ich würde wieder viel mitschreiben, was der Franziskaner und Retter der Romita uns erzählen würde.

An einige Frate Bernardino Sätze erinnerte ich mich, heimlaufend.

Der Weg, den die Pilger:innen gehen, ist ein Bild für das Leben. Wir sind alle unterwegs. Frate Bernardino.

Jeder hat eine Last zu tragen, und jeder seine eigene Last.

Das Leben ist eine Pilger:innenreise: jeder Tag ist eine Etappe.

Sogar den Motorradfahrer:innen bin ich freundlich gesinnt und winke ihnen zu.

Ihre Kamerad:innen hatten mir in San Gemini den rechten Weg gezeigt und Wasser geschenkt.

 

 

Ein Merkmal von den Etappen ist die Überraschung.

Nach jeder Kurve erwartet uns eine neue Landschaft. 

Es hat keinen Sinn sich zu beklagen über die Last von gestern.

Wenn wir die Verabredung mit dem Leben nicht verpassen, dann schenkt uns das Leben eine Fülle von Überraschungen.

Jeder Tag ist neu. Dieses Vertrauen lässt uns in Frieden weiter gehen.

Ogni giorno è una nuova sorpresa“. Each day is a rebirth, hatte mir einmal ein Italienischer Freund gesagt.

Leise singe ich das Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Dieses Lied möge uns durch den Aufstieg zur Romita begleiten.

 

 

Am Tor angekommen, rief ich vom Handy aus die Romita an. Das sollte jeder tun, der durch dieses Tor geht.

Gott sei Dank, ich hatte es geschafft, bei Sonnenuntergang zu Hause zu sein.

Die sympathischen Italiener:innen bereiten Pasta zu – ich kann nicht anders, ich fotografiere, stehe staunend dabei, und am Schluss schneide ich die Nudeln. Einer der Köche erzählt von seinen vielen Berufen. Koch und Maurer, Orthopäde, Lebenskünstler.

   

Ecco le Linguine!

 

Am nächsten Tag – Frate Bernardino kehrt zurück – in seine Romita.

Auch Traude ist geblieben; sie will Frate Bernardino kennenlernen.

Frate Bernardinos Lieblingskuchen – gebacken von Caterina.

Wenn wir das Leben nicht verpassen, dann ist das Leben eine Überraschung. Der Zug von Sardinien nach Umbrien war pünktlich“, erzählte Frate Bernardino am Mittagstisch. „Das war eine Überraschung“.

Unser Frühstück ist reich. Marmelade, Honig, Obst, Butter.

Wir schweigen beim Frühstück. 

Nach dem Schweigen sprechen wir über Jesus als Kind und ich erzähle vom Buch, das Franz Alt geschrieben hat. Franz Alt: Gott als Kind. 

Neue Pilger:innen kommen auf die Romita. Erfahrungen über den Franziskusweg werden ausgetauscht.

Ich erfahre, die Einsiedelei von Valfabbricca ist jetzt von Jakobusbrüdern bewohnt. Die Pilger:innen können in der Einsiedelei Kaffee trinken.

Auch die Pieve de Saddi bietet jetzt eine Unterkunft. Signor Frederico sei sehr gastfreundlich gewesen.

Die Kapelle auf der Romita.

In der Abendandacht kehrte Frate Bernardino in Gedanken nach Assisi und zum Kreuz von San Damiano zurück. „La croce mostra la crocifissione come un trionfo. Das Kreuz zeigt die Kreuzigung als Triumph. Cristo non soffrente. Christus leidet nicht. Davante questo croce, Francesco ha pregato cuando aveva 29 anni. Vor diesem Kreuz hat Franziskus gebetet, als er 29 Jahre alt war. E’ stato in un cambio. Er befand sich an einer Wegekreuzung“.

Il crocifisso di San Damiano. Bild: Wikicommons.

Abendstimmung auf der Romita.

Frate Bernardino: Für viele Pilger:innen habe ich früher in Assisi, in San Damiano, den Reiseführer gemacht. Manches mal habe ich den Pilgernden gesagt: Wenn es schlechte Laune gibt, schenken Sie sich eine Blume.”

Frate Bernardino hatte als Franziskaner über viele Jahre das Kreuz von San Damiano den Pilger:innen erklärt. Er hatte das Kreuz zum ersten Mal mit 11 Jahren gesehen. Und das Kreuz hatte auch irgendwie zu Frate Bernardino gesprochen: “Geh’ und baue meine Kirche wieder auf”.

Wir sollen brennende Kerzen sein, sagte Bernardino zu uns.

Schweigen ist  Meditation. Frate Bernardino.

Vivere in abbondanza non ti rende felice. Leben im Überfluss macht nicht glücklich. Frate Bernardino.

Wie schön ist ein Stück Brot.

Nicole, eine Pilgerin, baute Origami-Figuren für uns.

Wunderbar – che piacere. Linguine.

In der Siesta lese ich im Garten in der Biographie von Humbert Fink über Franziskus. In Gedanken gehe ich wieder den Franziskuspilgerweg.

Mönche im Mittelalter konnten unbarmherzig sein. Das zeigt eine Episode vor dem Kloster Vallingegno. Franziskus wird abgewiesen; die Mönche hatten ihn nicht erkannt. Später einmal wird der Abt dieses Benediktinerklosters Franziskus um Verzeihung bitten.

Frate Bernardino verabschiedet eine Pilgerin.

Die umbrische Natur ist hier – in San Damiano – auf einige wenige Grundelemente konzentriert, schrieb Hubert Fink in seiner Franziskus Biographie. Pinien stehen streng und dunkel in der Landschaft. Sonnenblumen heben ihre gelben Köpfe. Gemüsegärten laufen hangabwärts, dazwischen einige Weinhügel, Pappeln, Ulmen, etwas Grünes dazwischen. Im Hintergrund der dunkelgrüne Buckel des Monte Subasio, aus dem die berühmten Steineichenwälder wachsen.

Die Umgebung der Romita.

Und weiter lese ich bei Humbert Fink: Mancher junge Mann, der im Freundeskreis von Franziskus noch lästerte, fragte sich, ob er auch fähig zu so einer Leistung sei. Eine Kapelle wieder aufzubauen und auf Luxus zu verzichten. Aber der Stein war ins Wasser geworfen. Die Kreise im Wasser breiteten sich aus.

Abschied von der Romita.

Ich lese weiter in der Franziskus-Biographie: Es muss im Vorfrühling des Jahres 1208 gewesen sein, jedenfalls kurze Zeit nach der Vollendung der Portiunkula und dem Erlebnis mit dem Evangelium… als sich Franziskus vor San Giorgio, einer alten Kirche hinstellt, und seine erste Predigt hält, dort wo 4 – 5 Jahrzehnte später die Basilika und das Kloster von Santa Chiara erbaut wurden – dort wo heute Kloster und Kirche ineinander übergehen.

Humbert Fink lesend erfahre ich wieder mehr über das Leben von Franziskus während seines Pilgerweges: … einen gefangenen Fisch am Ufer des Lago di Piediluco in der Nähe der Stadt Rieti nennt Franziskus einen Bruder, nimmt ihn aus dem Netz des überraschten Fischers und gibt ihm die Freiheit zurück.

Nach Fonte Colombo und der missglückten Augenoperation wird Franziskus nach Siena gebracht. Dort gab es eine medizinische Schule und angeblich gute Augenärzte.

Frate Bernardino sagte einmal über Assisi: In Assisi nehmen die Franziskaner, die Nachfolger des größten Pilgers aller Zeiten, keine Pilger:innen auf. In Assisi kostet alles Geld.

Soweit meine Lektüre in dem Buch von Humbert Fink, das hoffentlich immer noch in der Bibliothek der Romita auf mich wartet. Mi piacerebbe davvero tornare alla Romita.

Wenn Bernardino italienisch spricht – strahle ich und schreibe seine Worte mit. La Romita in Italiano.

Francesco restaurò una vecchia cappella e scrisse un testo che anticipava il canto delle creature. Abbiamo ricostruito i vecchi edifici per riempirli di persone, idee e attività.

Franziskus restaurierte eine alte Kapelle und verfasste einen Text, der den Gesang der Kreaturen vorwegnimmt. Wir haben die alten Gebäude wieder aufgebaut, um sie mit Menschen, Ideen und Aktivitäten zu füllen.

La Romita è un invito alla preghiera, contro l’oblio di Dio, alla meditazione, contro la dissipazione delle energie, a tacere contro il troppo parlare, a digiunare contro il troppo cibo, a vivere nella natura e con gli animali, contro la troppa tecnologia Accettazione del il diverso e il lontano contro la chiusura e il rifiuto, contro la condivisione del tempo e dello spazio contro l’avidità e l’egoismo, contro lo studio del Vangelo contro la mancanza di conoscenza di Cristo, contro il sano stile di vita contro le troppe cose inutili e dannose.

Sonnenuntergang am Belvedere.

Die Romita ist eine Einladung zum Gebet, gegen das Vergessen Gottes, zur Meditation, gegen den Verlust von Energie, zum Schweigen, gegen zu viel Reden, zum Fasten, gegen zu viel Essen, zum Leben in der Natur und mit Tieren, gegen zu viel Technologie, eine Begrüßung der Andersdenkenden, das Teilen von Zeit und Raum, gegen Gier und Selbstsucht, das Studium des Evangeliums, gegen den Mangel an Wissen über Christus, eine Einladung zum gesunden Lebensstil, gegen zu viele nutzlose und schädliche Dinge.

Der Garten der Romita.

 

Die Ordnungstherapie der Romita schenkt mir neue Energie.

Sveglia (con musica) prima della levante del sole. Suona della campana che chiama alla preghiera in chiesa. Colazione: in silenzio come esercizio di attenzione, di umiltà e di gratitudine per i frutti di Madre terra. Lavoro manuale. Orti, giardini, manutenzione degli edifici, fare legna per l‘inverno, pulizie, cucinare.

Wachen Sie (mit Musik) auf, bevor die Sonne aufgeht. Die Glocke läutet, die zum Gebet in der Kirche ruft.

Frühstück in Stille als Übung der Aufmerksamkeit, Demut und Dankbarkeit für die Früchte von Mutter Erde.

Handarbeit. Gemüsegärten, Gärten, Gebäudeinstandhaltung, Holzherstellung für den Winter, Putzen, Kochen.

 

 

Dank der fleißigen Galline: frische Eier.

 

  Ore 13: Pranzo.

Erde, die uns dies gebracht. Sonne, die es reif gemacht, liebe Sonne, liebe Erde, Euer nie vergessen werde. Christian Morgenstern.

Nel pomeriggio tempo libero per stare da soli e in silenzio per leggere – oder einfach nur den Blick über halb Umbrien schweifen zu lassen.

Nachmittags habe ich am liebsten das Geschirr abgespült und in der Sonne trocknen lassen.

Ore 19:30 suona della campa e preghiera. Ore 20 Cena. Il sabato sera in silenzio in preparazione alla Domenica. Dalle ore 22 risposo e silenzio.

Um 19:30 Uhr läuten die Glocken und laden zum Gebet. Um 20 Uhr Abendessen. Am Samstagabend essen wir in Stille zur Vorbereitung auf den Sonntag. Ab 22 Uhr Ruhe und Stille.

         

Il primo di Ottubre – Der erste Oktober

Cristo è la mia salvezza e la mia speranza. Christus ist meine Rettung und meine Hoffnung, sagt Frate Bernardino in der Abendandacht. 

Pilger:innen sind angekommen: Lorenz und Alejandra leben in Assisi, kennen die Welt und glauben an eine andere Form des Wirtschaftens in der Welt. Alejandra arbeitete in einem Flüchtlingscamp in Jordanien.

Wir beten das Vater Unser. Das Italienische Vater Unser führt nicht mehr in Versuchung sondern Gott verlässt uns nicht in der Versuchung.

Padre nostro, che sei nei cieli, sia santificato il tuo nome, Vega il tuo regno, sia fatta la tua volontà, come in cielo coli in terra. Daci oggi il nostro pane quotidiano, e rimetti a noi i nostri debiti, come non li rimettiamo ai nostri debitori, e non ci abbandonare in tentazione ma rivelaci dal male. Il Signore sia con voi, E con il suo spirito. Vi benedica Dio onnipotente, Padre et Figlio e spirito Santo. Amen.

Frate Bernardino erzählt von seinem Lehrer Hans Küng & seiner Freiheit des Christen. Ein Buch von Hans Küng gibt es in der Bibliothek der Romita. Ich lese:

Ich bleibe in der Kirche, weil mich die Sache Jesu überzeugt hat und weil die Kirchengemeinschaft trotz und in allem versagen doch Sachverwalter Jesu geblieben ist. Hans Küng.

Ich finde ein Büchlein von Sabine Lebholz-Bonhoeffer.

Ich erfahre, Dietrich Bonhoeffer hatte eine Zwillingsschwester.

1.10.2019. Tagebuchnotiz: Ich habe heute Frate Bernardino gefragt, und ihm meine Überlegungen zur Stadtratskandidatur dargelegt. Ich habe ihm gesagt, dass ich über 25 Jahre als Basismitglied und Ortsvorsitzende der Grünen in Bad Wörishofen die grüne Fahne hochgehalten habe, als die Grünen noch klein waren; über die internen Diskussionen, dass ich mich als Ortsvorsitzende zurückzog und jetzt überlege, für die Stadtratswahlen 2020 zu kandidieren. Damals wusste ich nicht, ob ich überhaupt noch eine Chance bei den Grünen hätte. Frate Bernardino nahm sich die Zeit, setzte sich zu mir an den Tisch in der kleinen Piazza und erwiderte: 

Wenn ich zu einem Interview gebeten wurde, habe ich immer Ja gesagt. Denn aus einem Nein kommt nichts, aus einem Ja ein Vielleicht.

Was man im Kopf trägt, dafür trägt man Verantwortung. Frate Bernardino. 

Eine der jungen Italiener:innen hatte mir zugehört, als ich ihr von meinen politischen Gedanken und Zweifeln erzählte. Sie ermutigte mich, Frate Bernardino zu fragen. Wir beide saßen da und dann kam Frate Bernardino und ich habe ihn gefragt. Heute bin ich Stadträtin im Kneippkurort Bad Wörishofen und sehr dankbar dafür.

Pfarrer Sebastian Kneipp, Wasser und Bad Wörishofen gehören zusammen, das ist mein Thema.

Der alte Brunnen der Benediktiner auf der Romita.

Zeige den Menschen einen schönen Garten und sie werden die Blumen lieben.

Wenn wir den Tag mit Schwung beginnen, passiert etwas.

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir Kraft in den Muskeln haben. Frate Bernardino.

Dieses Jahr feiern wir in Bad Wörishofen den 200. Geburtstag von Pfarrer Sebastian Kneipp.

Mein Lieblingszitat.

Gerade jetzt begegne ich Zeitgenossen von Pfarrer Sebastian Kneipp, die auf ihre Weise das Leben von Franziskus nachlebten.

Nicht am Ziel wird der Mensch groß, sondern auf dem Weg. Ralph Waldo Emerson – auch der amerikanische Franziskus genannt.

Abends ging ich hinaus in die Dunkelheit, da sah ich einen schimmernden Stern und hörte einen Frosch quaken. Die Natur schien zu sagen: Nun? Ist das nicht genug? Ralph Waldo Emerson (1803 – 1882), US-amerikanischer Philosoph.

Der einzige Weg, einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein.  Ralph Waldo Emerson.

Der Philosoph und Schriftsteller Ralph Waldo Emerson (25. Mai 1803 – 27. April 1882) schrieb das Buch, „Die Natur“.

Er veröffentlichte sein Buch mit 33 Jahren und verfolgte darin den Gedanken, dass der Mensch ein einfaches Leben im Einklang mit der Natur anstreben sollte. Das ist aktueller denn je.

Emersons Freund, der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Thoreau (12. Juli 1817 – 6. Mai 1862) lebte für zwei Jahre, zwei Monate und zwei Tage völlig abgeschieden in einer Hütte im Wald am Walden Pond in Concord, Massachusetts.

Er wollte sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren.

Dabei entstand sein Buch „Walden“. Thoreau sehnte sich nach der Einheit mit der Natur, einem Leben wie die Ureinwohner Amerikas es führten, frei von Zivilisationsstress. Denn den gab es schon im 19. Jh. So sind seine Gedanken uns heute sehr nah.

Quelle:

I went to the woods, because I wished to live deliberately, to front only the essential facts of live and see if I could not learn what it had to teach, and not, when I came to die, discover, that I had not lived.

Ich ging in die Wälder, weil mir daran lag, bewusst zu leben.
Ich wollte mich nur mit den wesentlichen Dingen des Lebens beschäftigen, um nicht, wenn es ans Sterben ging, die Entdeckung machen zu müssen, nicht gelebt zu haben.

Aus: Walden. Oder das Leben in den Wäldern (Originaltitel: Walden. Or Life in the Woods)  

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Mit Franziskus in Italien

Bad Wörishofen, im Mai 2022

Liebe Pilgernde,

„Pilgern auf Italienisch“ erzählt von meinen zwei Pilgerreisen, die ich 2018 und 2019 unternahm. Ich hatte Sehnsucht die Romita, dieses wunderbare Kloster in den Bergen des Appenin, wieder zu besuchen. Von dort aus unternahm ich Pilgerausflüge.

Die Romita wurde durch Frate Bernardino geprägt. Der Nachfolger von Franziskus ist am 22. Mai im Alter von 83 Jahren auf seiner Romita gestorben. 1991 hatte er das verlassene Kloster der Benediktiner wieder aufgebaut. Ich bin dankbar, dass ich diesem Menschen auf meiner persönlichen Pilgerreise begegnet bin.

Jetzt wird sich zeigen, ob der Geist und die Gedanken von Frate Bernardino auf der Romita weiterleben. Seine Nachfolger:innen hat er selbst bestimmt. So wird die Romita hoffentlich eine Accoglienza dei Pelegrini bleiben; eine Ruheort für alle Pilgernden auf ihrem Pilgerweg.

Meine Erzählungen vom „Pilgern auf Italienisch“ bleiben, so hoffe ich, zeitlos – Dank des guten Geistes auf der Romita.

Buon Cammino

Paola

An einem Sommermorgen,

da nimm‘ den Wanderstab.

Es fallen Deine Sorgen, wie Nebel von Dir ab.

Theodor Fontane brachte es auf den Punkt, mit diesen lächelnden Worten. Franz von Assisi und Goethe empfanden genauso. Ich auch. Und so zog ich 2018 wieder los, auf den Franziskusweg.

Der große Franziskusweg verläuft entlang des Apennins. Ich hatte mir den Weg vor einigen Jahren erwandert. Das Buch von Angela Seracchioli war mir wieder ein lieber Begleiter.

Hier blickt Franziskus vom Kloster Montecasale ins Land – und lädt ein zum Verweilen.

Zum Staunen, Schauen und Denken. Zur Ruhe kommen.

Buon Giorno. Ich freue mich, dass Sie gekommen sind, um mich zu begleiten. Buon Cammino.

Egal, wo man auf diesem Pilgerweg beginnt. Stets begegnet den Pilgernden der freundliche Franziskus.

Freundliche, hilfsbereite Menschen, die weiterhelfen, Gute Gespräche, Gutes Essen.

 

 

 

Es gibt nichts Schöneres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein“ sagte dazu Ingeborg Bachmann. Die selbst in Italien lebte.

Aber ………..wo beginnen?

 

 

 

 

 

Man ringt mit allerlei Problemen.

Zunächst, wo soll man Anlauf nehmen“?

Ringelnatz half mir mit diesen Worten auf die Sprünge.

Der „Panderer“ 2012.

 

 

 

 

 

 

Das Kloster „La Romita di Cesi“ hatte ich nie vergessen.

Es ist eine der Stationen auf dem Franziskusweg.

Ein schönes, ein stimmungsvolles, ein besonderes franziskanisches Kloster in Umbrien. Dort hatte Franziskus die erste Version seines Sonnengesangs verfasst.

Hier fühlte ich mich schon bei meiner ersten Pilgerreise aufgehoben. Und blieb spontan mehrere Tage…. in einer Gemeinschaft aus Pilger:innen und Unterstützer:innen von Bruder Bernardino Greco. Einem Franziskaner. 

 

 

 

 

 

 

Frate Bernardino 2013.

 

Linda.

Damals gab Frate Bernardino mir mir eine Aufgabe. Ich sollte einen zugelaufenen Hund ins Tierheim zu bringen.

La vita ti chiama“ sagte er damals zu mir. Das Leben ruft Dich. Ich pilgerte weiter und brachte die kranke Linda zum Tierarzt.

 

 

Im Juli 2018 rief ich endlich mal bei Bruder Bernardino an und fragte, ob ich wieder in seinem Kloster bleiben dürfte. Von dort aus wollte ich meine Touren machen. Und Fotografien nachholen. Ja, es ist möglich“. , sagte Bernardino. „Komm!“

Ein schönes Stück Umbrien erwartet uns – zwischen Assisi und der Stadt Terni. In der Mitte des Italienischen Stiefels gelegen.

Ankommen in Terni.

Über Nacht brachte mich der Zug nach Terni. Der Blick aus dem Zugfenster am Morgen zeigte mir: Es ist noch alles da. Die Sonne. Der blaue Himmel. Die Hügel. Die italienisch anmutende Landschaft.

Was fehlt uns? Ich hörte den Psychologen Dr. Peter Dogs in „Eins zu Eins der Talk“ sagen: Die Zufriedenheit und die Fähigkeit, beim Zugfahren aus dem Fenster zu schauen.“

Der Link zum Podcast „Eins zu Eins der Talk“ ist nicht mehr zur Verfügung. Ein aktuelles Interview mit Dr. Dogs zum Thema „Resilienz“:

Terni Busbahnhof: Un Cappuccino per favore.

 

 

 

La Romita di Cesi

Cesi am Berg Eolo. Hier fährt der Bus durch bis zur Station Richtung „Romita“.

Von Terni aus ging es mit dem Bus No.16 um 12 Uhr 10, in den kleinen Ort Cesi am Berg Eolo. Dieser Bus fährt nur 3 x am Tag.

Die Busgemeinschaft informierte den Busfahrer Fabio über das aktuelle Geschehen rund um Terni. Und über einen unzuverlässigen Verlobten, un fidanzato inaffidabile. Ich war glücklich. In der „piccolo mondo“. Ich fühlte mich wie bei Don Camillo und Peppone. Hörte und sah‘ Italien.

 

 

Nach einer langen Zugfahrt von Deutschland kommend war ich mitten im italienischen Leben angekommen. Fabio hielt nur meinethalben an dieser Haltestelle. Scusi, voglio fare una foto del Bus.“

Fabio wartete. Der Aufstieg von Cesi hoch zur Romita begann in der Mittagshitze.

Beginnen wir mit dem Pilgern. Auf diesem Weg. Die Sonne lacht. Es geht mühsam aufwärts.

Süße Früchte gab es, Gott sei Dank – an denen ich mich immer wieder laben konnte.

Zwei Gedanken trösteten mich:

Wenn wir bei uns ankommen wollen, müssen wir langsam sein. Oliver Tietze Deutscher Chemiker, Aphoristiker, Lyriker. www.original-leitspruch-kalender.com.

 

Wir müssen langsam reisen.

Damit die Seele Schritt halten kann.

Die Seele geht zu Fuß. Dr. Peter Dogs.

Und da. Ein erstes Zeichen. Ich bin auf dem rechten Weg. Vogelgezwitscher erfreute mein Herz. 

Endlich. Der weite Blick auf Umbrien. Gegliederte Felder. Keine ausgeräumte Landschaft.

Und kurz danach…

Angekommen.

Es ist die Stunde der Siesta. 15 Uhr. Bussa e ti sara aperto. Klopf an, und dir wird aufgetan. Aber nicht einmal die Hunde hoben ihre Köpfe. Offensichtlich erkannten sie mich noch, und das nach 5 Jahren. Ansonsten wird jeder Ankommende laut bellend gemeldet.

Nur Caterina empfing mich, trotz Siesta. Die Pilgerin half Bruder Bernardino. Sie hatte ihren Job als Filialleiterin einer Bank in Thüringen aufgegeben. Sie pilgerte auf den Spuren von Hildegard von Bingen. Auf dem Franziskusweg begegnete sie der Romita.

Sie führte mich in meine Zelle.

Willkommen.

Angekommen.

Aufgenommen.

Jede Mittagsruhe geht zu Ende. Ich wurde von Bruder Bernardino begrüßt. Komm‘ erst mal an, Paola“. Sagte er. „Lies etwas. Und geh‘ zum Belvedere.“ Es war die erste kontemplative Aufgabe, die ich von ihm bekam.

Photo: Jens Hoffmann.

Von dort sieht man – von dort sah‘ Franziskus, halb Umbrien. Und wieder erfreute diese kleinteilige Landschaft mein Herz.

La Romita weiße Insel im Grün der Wälder“.

Photo: Jens Hoffmann.

Ein Franziskanisches Kloster von außergewöhnlicher Schönheit.

Geborgen sein. Nach oben gezogen werden. Paola.

Photo: La Romita di Cesi.

Die schlichte Architektur.

Gott liebte die Menschen. Deshalb stellte er ihnen die Sonne vor das Haus. Franziskus.

Mauern aus Natursteinen. Steingewordene Harmonie. Eine Wohltat für die Augen.

Der Glockenturm, der sich einsam in den Himmel hebt.

In der Mitte die majestätische Libanonzeder.

 

Das Belvedere mit der wunderbaren Aussicht ins weite Umbrien.

All‘ dies macht La Romita zu einem Juwel unter den alten franziskanischen Klöstern in den Bergen Umbriens.

Auf dem Gelände des Klosters hatten die Benediktiner 500 nach Christus aus römischen Ruinen eine kleine Kapelle gebaut. 700 Jahre später sah‘ Franziskus von dem Dorf Sangemini aus ….nur noch Ruinen. Neugierig geworden stieg er hoch. Das war im Jahr 1213.

Und er fand die verfallene Benediktiner Kapelle.

Historische Photos: Paolo Rossi Facebook.

Franziskus hat 1213 mit einem Mitbruder die Kapelle wieder aufgebaut.

Photos: Paolo Rossi Facebook.

Leben zog ein.

Photo: Paolo Rossi Facebook.

1861 war Säkularisation in Italien. Der neue Nationalstaat enteignete Kirchen und Klöster. Und somit auch die Romita.

Dann kam eine lange Zeit der Dunkelheit und Verlassenheit. So war es 130 Jahre lang still geworden in der Romita. Poi nel 1991 „Sono venuto io – da kam ich.“ Erzählte Bruder Bernardino.

Photo: Paolo Rossi Facebook.

Damals begann Bruder Bernardino, auf Italienisch Frate, Frate ohne r, mit einer Schar von Freund:innen die verfallene Einsiedelei wieder aufzubauen.

 

Franziskus in der Romita

1213 – 2013: 800 Jahre Romita.

Überall, wo Franziskus gewesen ist, hat er Spuren hinterlassen.

Wiederaufgebaute Kirchlein, Gärten,

 

 

 

 

 

 

 

 

Orte der Gemeinschaft.

Klöster.

Und deshalb gibt es heute auch den Franziskusweg.

Franziskus war ein aufmerksamer und gefühlvoller Mensch. Er baute persönliche Beziehungen auf. Zu Menschen, zu Orten, zu Dingen. Und zu Tieren.

Der Welttierschutztag ist am 4. Oktober. Der Tag des Franz von Assisi. An diesem Tag wurde der tote Franziskus nach Assisi zurück getragen.

 

 

 

Was das Verhältnis Glaube und Natur angeht, benannte Franziskus bereits im 13. Jahrhundert viele Zusammenhänge, hellsichtig.

Obwohl er kleine und verlassene Häuser Gottes wiederaufgebaut hatte, betete er vor allem in der freien Natur.

Seit Franziskus in den Wäldern lebte, schätzte er die Natur als von Gott gegeben, „als unseren Bruder und unsere Schwester, die auch wieder zu Gott führen“. Von der Romita führt ein Weg zum Belvedere. Diesen Weg ging Franziskus oft.

Dort ist die Höhle, wo Franziskus auch gebetet hat. Und meditiert.

Franziskus liebte die Natur und grenzte sich auch damit von der Gesellschaft und von den damals existierenden Armutsbewegungen, wie den Katharern ab. Die Benediktiner rodeten Wälder. Um Holz zu verkaufen.

Franziskus hingegen verbot seinen Brüdern, Bäume zu schlagen.

Man sollte den Bäumen nur so viel nehmen, um Feuer zu machen. Um sich daran zu wärmen. 

Sein Sonnengesang ist ein Gegenstück zum Desinteresse an der Natur der damaligen Theologen.

Und ein frühes und bedeutendes Beispiel Italienischer Dichtkunst.

 

In dieser Höhle meditierte und betete Franziskus.

Die Natur war für Franziskus ein Geschenk Gottes, das unser Leben erst ermöglicht.

Gelobt seist Du mein Herr, durch unsere Schwester Erde, die uns erhält und lenkt, und vielfältige Früchte hervorbringt. Und bunte Blumen und Kräuter. Franziskus Sonnengesang.

Die Romita ist ein Ort, an dem man den Sonnengesang  von Franziskus so richtig nachempfinden kann.

Die Energie der Sonne

Die fruchtbaren Gärten,

Die Vielfalt und Fülle all dessen,

Was wächst und gedeiht.

 

Wasser ist kostbar und kommt nicht aus der Leitung.

Schönheit dafür gibt es im Überfluss. Die Schönheit des Mondes. 
An diesem besonderen Ort erlebte ich die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts 

Solch‘ stimmungsvolle Sonnenuntergänge wurden mir am Belvedere geschenkt.

Photo: Jens Hoffmann.

Zur Zeit von Franziskus war die Romita eine Insel der Kultur und Zivilisation inmitten von Urwäldern mit wilden Tieren.

Die Romita war eine wichtige Station auf dem Weg von Franziskus zu seinem Naturverständnis.

 

 

 

 

Franziskaner aus Salzburg kamen einige Tage nach mir auf der Romita an. Sie waren zu Fuß von Rom gekommen. Eine nette lebendige Gruppe. Sie waren so dankbar, dass wir mit dem Abendessen auf sie gewartet hatten. Mit dem Pilgerbuch aus dem Rother-Verlag waren sie auf „Abwege“ geraten. Nur Bruder Pascal pilgerte in Mönchskleidung. Ich durfte ihn sogar fotografieren.

Franziskus tauschte seine Kleidung gegen eine einfache Kutte ein. Seine Hosen behielt her. Denn er wollte ja zu den Armen, den Bauern kommen. Und musste dafür unwirtliche Straßen überqueren.

Gut drauf. Bruder Pascal, Salzburg.

 

Der Franziskanische Lebenstil

Frate Bernardino weckte uns um 6 Uhr mit immer dem gleichen Weckruf.

Buon Giorno, Buon Giorno, Buon Giooornoooo.

Wir sind schon reich, bevor wir anfangen, etwas zu verdienen. Die Sonne ist schon da und lacht uns an.“ Frate Bernardino

Klang es durch den langen Gang. Dieser musikalische Morgengruß erinnerte mich immer wieder an das freundliche Wesen von Franziskus.

Um 6:30 Uhr traf man sich zur Andacht in der Kirche.  

Die Kirche, 14. Jahrhundert. Ein Werk der Benediktiner.

Die Hunde lagen Frate Bernardino während der Andachten zu Füßen. Und ich dachte für mich. Jetzt sehe ich doch tatsächlich noch Franziskus vor mir. Mit seinen Mitgeschöpfen.

 

Franziskus betete vor 805 Jahren in dieser kleinen Benediktiner Kapelle. Auf der Romita.

Die Seitenkapellen in den Klöstern zeigten: der einzelne Mensch ist wichtig.

Diese kleine Benediktiner-Kapelle auf der Romita erinnerte mich an die Einsiedelei von Cerbaiolo. Einer Station auf dem Franziskusweg.

Wo das Schweigen wohnt, lebt das Gebet, brennt Liebe, herrscht Friede. Inschrift der Einsiedelei von Cerbaiolo.

Die kleine Benediktinerkapelle auf der Romita von außen.

 

Mein Tagebuch war immer dabei.

 

 

„Die ersten 90 Minuten des Tages gehören dem benessere della vita – dem Gutsein dem Körper und der Seele gegenüber“. Das habe ich von meinen Tagen im Kloster mitgebracht. Und versuche es, in meinen Alltag einzubauen.

Das Frühstück um 07 Uhr wurde schweigend eingenommen.

Il silenzio è un esercizio di attenzione al momento presente.

Die Stille ist eine Übung der Aufmerksamkeit gegenüber diesem Augenblick. Frate Bernardino.

Diese Morgenweisheiten führen mich in Gedanken immer wieder zurück in die Romita. Vormittags waren 4 Stunden der Arbeit gewidmet. Die Benediktiner hatten Gemüsebeete. Der Garten erinnert sich noch heute daran. Die Kostbarkeiten aus dem Garten mussten geschützt werden. Zwei Abiturienten aus Freiburg, ein Vater und seine zwei Kinder aus Berlin und ich, wir bauten einen Zaun gegen sonstige Gartenliebhaber: die Wildschweine.

 

Auch ich half mit. Wie es von allen erwartet wird, die in der Romita auf Zeit Unterschlupf finden.

Im Garten lernte ich das Wort „Seminar“ von einer anderen Seite kennen.

Seminare heißt „säen“. Ein Römer machte mich darauf aufmerksam.

Paola hat sich still – auf franziskanische Art – engagiert“, lobte mich Bernardino. Diese glänzende Küche ist eines meiner Werke.

Zum Mittagessen gab es oft Tomaten alla Caprese – aus dem Garten.

Christian Morgenstern saß mit uns am Tisch:

Erde, die uns dies gebracht. Sonne, die es reif gemacht. Liebe Sonne, Liebe Erde, Euer nie vergessen werde“. Christian Morgenstern.

Nach 5 Uhr Nachmittag gab es kleinere Arbeiten für uns zu erledigen.

Zum Beispiel Küchenarbeit.

Die Romita ist ein Ort der Stille, wo man von der Arbeit lebt, nicht für die Arbeit, und des Gebets. Am Abend erwartete uns jeden Tag die Abendandacht.

Zivilisation – ZuVIELisation.

Und danach Pace e Pasta unter der Zeder.

In diesem Paradiesplatz durften wir essen. Wohlige Wärme und Stille und Vogelgesang. Brachte uns, uns nahe.

Das ist aller Gastfreundschaft tiefster Sinn. Dass Einer dem Anderen Rast gebe, auf der großen Wanderschaft zum ewigen Zuhause. Romando Guardini.

Auch Romano Guardini war Teil unserer Gemeinschaft, mit seinen Worten.

Und von Frate Bernardino habe ich mit nach Hause genommen:

Sich Freuen und Danken ist eine Lebensaufgabe.

Gestärkt von einem Mittagsmahl wanderte einmal unsere Pilger-Gemeinschaft auf zum Torre Maggiore. Einst ein Kultort der Etrusker. Den sicher der wissbegierige Franziskus kannte.

Unter meinen Mitpilgern auf Zeit war Jens, ein Vater aus Berlin mit seinen Kindern Mathilda und Neil. Die Kinder sprechen perfekt Englisch. Zur Jause gab ich einmal Mathilda einen Apfel mit den Worten:

Ein Apfel am Tag, wer den Doktor nicht mag.“ One apple a day, keeps the doctor away“. Mathilda erwiderte: One garlic a day, keeps everyone away“. Eine Knoblauch-Kralle, verscheucht sie alle.

Beim Aufstieg zum Torre Maggiore erzählte mir Jens, dass er als Polizist einst Angela Merkel beschützt habe. Jens half 1991 beim Aufbau der Romita. Und dabei waren bei unserem Ausflug die Abiturienten. Linus und Yannis. Im Mai pilgerten sie von Freiburg zu Fuß, durch die Schweiz, Richtung Rom. Und, kurz vor Rom, ließen sie sich vom Zauber der Romita einfangen. Sie blieben. Um Bruder Bernardino mit ihrer jugendlichen Kraft zu helfen.

Wähle Dir einen Reisebegleiter, und dann erst den Weg“. Sprichwort aus Arabien. Original-Leitspruch-Kalender.com

Photo: Jens Hoffmann.

In einer anderen Mittagspause wanderte ich einmal – durch diesen Hohlweg –

hinunter zu der römischen Stadt Carsulae. Carsulae liegt wie die Romita an der Via Flaminia.

Die Via Flaminia verbindet Rom seit der Antike mit der Adriaküste.

 

Bereits der junge Franziskus gelangte, mit seinen Eltern, auf dieser Straße nach Rom. Ab dem 13. Jahrhundert gewann die Via Flaminia eine besondere Bedeutung.

Die Gläubigen, die auf dem Weg nach Rom waren, wollten jetzt auch nach Assisi . Zu Franziskus.

Die Kirche Cosma e Damiano mit römischen Fresken dürfte Franziskus auch schon gekannt haben.

Cosma e Damiano stammt aus dem XI Jahrhundert. Wer heute dort heiraten will, bezahlt 500 Euro.

 

 

 

 

 

 

Vor der Morgenandacht wollte ich einmal zum großen Belvedere gehen.

Wie einst Franziskus.

Die Hunde begleiteten mich. Durften die das überhaupt?

Zusammen sahen wir die Romita von oben.

Und im Morgenlicht besonders schön den Brunnen. Erbaut von den Benediktinern.

Frate Bernardino was not amused – als wir zurückkamen. Er hatte sich Sorgen um die Hunde gemacht. Weil die weg waren.

Es stellte sich heraus: Seine treuen Begleiter hatten ein Loch im Gartenzaun gefunden, um den illegalen Ausflug mit mir unternehmen können.

Am nächsten Tag stopften die Freiburger Abiturienten Yannis und Linus das Loch im Zaun.

Auffällig war, dass mich die Hunde nach diesem Ausflug immer wieder begleiteten. So, als ob sie mich in ihr Rudel aufgenommen hätten.

Die Romita heute. Alles im Leben ist Begegnung.

Die Glocke

läutete bereits zur Abendandacht, als ich in der Romita eintraf.   

Ich war spät dran, weil der Bus nach Cesi Umwege fahren musste. Ich wurde wieder von Fabio chauffiert. Er erzählte, dass man in Terni wieder eine Bombe aus dem II. Weltkrieg entschärft hatte.

Alles im Leben ist Begegnung. Romano Guardini.

Pilger:innen auf der Romita. Die beiden jungen Männer pilgerten von Freiburg nach Rom. In der Romita blieben sie und halfen Frate Bernardino.

Am Wochenende meiner Rückkehr in die Romita besuchten uns 20 Pilger aus Italien. Es waren Jugendliche in Schwierigkeiten – Giovani in difficoltà – mit ihren Betreuern. Die jungen Männer pilgerten von Süditalien kommend– auf den Spuren des Menschenfreundes Franziskus.

Wir wurden schnell eine Gemeinschaft. Die Männer kochten für uns.

Eine Pilgerin fragte den Chef-Koch. „Kann ich Dir trauen, Luigi, und die Lasagne ist wirklich ohne Fleisch“?

Die Antwort von Luigi: Ja. „Im Leben kann man mir nicht so trauen – in der Küche schon – nella cucina si“.

Biografisch belegt ist, dass Franziskus trotz seiner Liebe für die Tiere oft Fleisch gegessen hat.

Einfach, weil er und seine Mitbrüder als Bettler nehmen mussten, was ihnen angeboten wurde. Radiobeitrag

Wir sangen in der Abendandacht das Lied von San Damiano. An der Orgel: Frate Bernardino. Das Lied wird uns begleiten durch Szenen einer Gemeinschaft auf Zeit. Das Lied passte zu uns allen.

 

„Klarer Kopf, warmes Herz und rege Hände“. So begrüßte uns Frate Bernardino zur Abendandacht. 

Wenn Du leicht reist, senza niente, kommst Du am Ende auch ans Ziel“. Das Lied von San Damiano.

Und die einfachen Freuden sind die Schönsten.  Und am Ende auch die Größten. Das Lied von San Damiano.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nella vita semplice troverai la strada. Wenn Du es verstehst,
einfach zu leben, kann Dir das Leben so viel geben.  Das Lied von San Damiano.

 

„Wenn Du jeden Tag
einen Stein nach dem anderen gehst, wirst Du ankommen.“

Das Lied von San Damiano.

Frate Bernardino verabschiedet sich von den Jugendlichen.

 

Impressionen einer besonderen Begegnung:

Es ist doch erstaunlich, was ein einziger Sonnenstrahl mit der Seele des Menschen machen kann. Dostojewski. Russischer Dichter.

Frate Bernardino bereitet Fiori di Zucca zu – Zucchini-Blüten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Achtsamkeit kann uns dabei helfen, wieder zu kommunizieren, vor allem mit uns selbst“. Thich Nhat Hanh 11.10.1926 Buddhistischer Mönch aus Vietnam.

Fiori di Zucca.

„Fünf sind geladen.
Zehn sind gekommen.
Gib Brot zur Lasagne.
Heiß alle willkommen. “  

Colori, Profumi, Sapori.  Farben, Gewürze, Düfte.

Franziskus sagte, der Mensch hat eine Seele, die gefüttert werden will.

Im Film von Roberto Rosselini „Franziskus der Gaukler“ wird deutlich:  Franziskus sorgte dafür, dass es seinen Gefährten nicht langweilig wurde. Wir feierten und sahen auf der Romita die lange Mondfinsternis.

Am 25. Juli sahen wir ein Natur-Feuerwerk. Una sorpresa für die Jugendlichen in Schwierigkeiten, die uns besuchten. Frate Bernardino und Yannis aus Freiburg brachten trockenes Laub zum Glimmen.

Yannis erzählte später, dass er schon als kleiner Junge mit den Eltern auf der Romita so ein Feuerwerk erlebt hatte. Frate Bernardino wollte damals auch den kleinen Gästen auf der Romita eine Freude machen. Bernardino und Yannis machten es aus trockenen Zweigen und Blättern.

„Gelobt seist Du mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest, und schön ist es und fröhlich und kraftvoll und stark“. Franziskus.

Am Sonntag nach dem Frühstück verabschiedeten sich die Jugendlichen. Frate Bernardino begleitete sie bis zum Tor.

„Jeder Heilige hat eine Vergangenheit.  Und jeder Sünder eine Zukunft.“ Oskar Wilde.

Franziskus & der Wolf in Gubbio.

Der www.original-leitspruch-kalender.de zitierte Oscar Wilde, geboren am 16.10.1854 in Dublin,  am 26. Juni, anlässlich des Internationalen Tages gegen Drogenmissbrauch.

 

Wir waren wieder eine kleine Gemeinschaft. Yannis und Linus hatten ihre ersehnte Zulassung zum Physikstudium bekommen. Der Weg nach Heidelberg war frei.

Wir feierten auf der Romita.

„In einer Gesellschaft von drei Menschen kann ich immer einen finden, der mein Lehrer sein könnte.“ Konfuzius.

Und ich legte mich in den Garten und schlief bis zur Abendandacht. Und dachte an ein Gedicht über Irdisches Glück, das ein Zeitgenosse von Sebastian Kneipp schrieb:

Irdisches Glück.

So mancher sieht mit finst’rer Miene
Die weite Welt sich grollend an,
Des Lebens wunderbare Bühne
Liegt ihm vergebens aufgetan.
Da weiß ich besser mich zu nehmen,
Und fern, der Freude mich zu schämen,
Genieß‘ ich froh den Augenblick:
Und das ist Brüder doch ein Glück, und das ist Schwestern doch ein Glück.  Johann Gabriel Seidl.

 

Franziskus lebte in Umbrien

Wir, die kleine Gruppe der Romita, gingen den Franziskusweg in Gedanken nochmal zurück. Wir erinnerten uns an Assisi.  Franziskus liebte Assisi. Auch als er ein Wanderleben führte, kehrte er immer wieder in seine Geburtsstadt zurück.

Die Kirche hat Franziskus, der eine Kirche ohne Grundbesitz wollte, eine monumentale Basilika errichtet. Gott sei Dank hat die Basilika das Erdbeben von 1996 einigermaßen überlebt.

Allein die Fresken von Giotto waren es wert gewesen, die Pilgerreise zu machen. Das hatte mir der „Panderer“ bei meiner ersten Pilgerreise gesagt.

Aber im Winter ist alles ganz anders, in Umbrien. Erfuhren wir von Frate Bernardino. Die Natur lädt uns jedes Jahr ein, im Herbst und Winter die Geschwindigkeit zu verlangsamen. Die Schritte bedächtig und bewusst zu setzen. Zur Ruhe zu kommen.

Santa Chiara.

Franziskus ist auch noch nach so vielen Jahren unvergessen. Obwohl er kein Staatenlenker, Politiker oder ein Kaiser war.

Die Erinnerung an Assisi ist schön.

In Assisi kann man auch heute noch immer wieder einem Franziskus begegnen.

Es sind die Überraschungen, die das Leben immer wieder spannend machen“. Frate Bernardino.

Rosa Luxemburg wurde 1919 ermordet. Für Prof. Volker Caysa steht sie in Tradition einer Franziskanischen Linken. „Franz von Assisi gliederte bekanntlich die von der christlichen Gesellschaft Ausgestoßenen in diese ein und humanisierte sie dadurch“. (Linke-Sachsen.de).

So ist das Leben, und so muss man es nehmen, tapfer, unverzagt und lächelnd – trotz alledem“. Rosa Luxemburg.

Franziskus sprach in seinen Predigten gerne in Bildern. Auch Bernardino tut es: Wenn wir keine Anerkennung von den Anderen erfahren, müssen wir sie uns aus der Natur holen. So können wir existieren – e basta.“

Der rührige Franziskaner Bernardino hat den alten Bauernhof San Masseo bei Assisi vor 30 Jahren aufgebaut. Zu einer Stätte der Begegnung.

Man kann die Bibel besser durch die Natur verstehen. „Meine Seele dürstet nach Dir“. Der Psalm 139 ist ein Trost für dunkle Stunden. Frate Bernardino.

Wir Pilger*innen erinnerten uns an Gubbio. Dort wo Franziskus mit dem Wolf sprach. Und den Wolf umarmte. Der Hai-Kuschel-Tag Anfang Dezember knüpft an diese Umarmungsszene an.

Gubbio. Zuerst begrüßen die römischen Ruinen.

Franziskus und der Wolf in Gubbio.

 

Schönes, ernstes Gubbio.

 

 

 

 

 

 

 

DDer Sentiero Francescano della Pace erinnert an die Flucht des jungen Francesco aus Assisi. Auch daran, dass Franziskus sich 1219 zwar dem V. Kreuzzug anschloss – aber um Frieden zu stiften. 2019 war darum wieder ein Franziskus im Morgenland.

Er verlangte von seinen Mitbrüder Respekt vor den Andersgläubigen. Sie sollten unter die Muslime gehen und durch ihr Leben bezeugen, dass sie Christen sind….und im Bedarfsfall verkünden. Radiobeitrag.

Das Gehen auf diesen Friedens-Wegen hilft. Man kommt immer wieder in Kontakt mit den franziskanischen Weisheiten. Entlang dieser Schönheiten wurde mir ganz besonders bewusst. Wie sehr Lärm Leere erzeugt, und Leere erzeugt Einsamkeit. Es ist schön gewesen. Auf dem Franziskusweg.

Weil ich so gerne auf der Romita geblieben war, war die Zeit zu kurz geworden, noch mehr magische Orte in Umbrien zu entdecken. Aber ich werde dorthin zurückkehren. Zu den franziskanischen „Hütten“ in Rivotorto. Dort lebte Franziskus für einige Zeit.

 

Vergiss mir die Armen nicht“.

Die Skulptur erinnert an die Begegnung von Franziskus mit den Ausgestoßenen, den Aussätzigen. Sie machten aus dem Sohn eines Tuchhändlers den Sozial-Revolutionär.

Bild:

 

Zum Kloster Vallingegno an dem Franziskus zurückgewiesen wurde, weil er nicht erkannt worden war, und trotzdem nicht verbitterte.

Das Kloster zur perfekten Freude. Bild: 

An den Trasimenischen See, an dem sich Franziskus ausgeruht hatte. Nachdem er aus Rom geflohen war. Geschichte.

Bild: Pixabay.

Nach Perugia. Dort rief er zum sozialen Frieden auf.

Und natürlich immer wieder Rom. Schön, dass mein Heimweg über Rom führte.

Deutlicher als in jedem dieser Orte spürst Du in Rom, dass etwas vom Pilger in jedem von uns steckt. Und jedem Pilger ist die Heimkehr beschieden.“ Dann mach Dich auf den Weg.

Es ist nicht wichtig, woher Du kommst. Es ist wichtig, wohin Du gehst. Ernst Wilhelm Heine.

                                     Romita Ci vediamo

Dieser Blog ist Dr. Judith Metzger gewidmet. Ich begegnete Judith im Juli 2013 auf der Romita. Am 29. Juli 2019 während der Abendmesse auf der Romita, informierte uns Bernardino, dass Judith an diesem Tag auf dem Weg nach Griechenland gestorben ist. Judith war eine Anhängerin von Nikolaus von der Flüe. Am 8. September 2019 habe ich mich von Judith in Sachseln verabschiedet und mich für ihren Satz bedankt, den sie mir im Sommer 2013 schenkte:

  Es gibt kein Scheitern.

Wir sind alle auf dem Weg.

Dr. Judith Metzger 21. 3.1963 – 29.7.2018

 

 

Franziskus und sein Nachfolger Frate Bernardino

Was an Franziskus, der im Mittelalter gelebt hat (1182 – 1226) – heute noch so fasziniert: Für Franziskus waren drei Fragen besonders wichtig:

Die Frage nach der Gerechtigkeit, dem Frieden und dem Naturverständnis des Menschen.

Frate Bernardino im Garten der Romita.

Franziskus suchte aber auch und pflegte das Schöne. Neu war sein liebevoller Blick auf die Schönheit der Natur. La bellezza della natura.

Die Bäume. Die Blumen. I fiori. I alberi.

Franziskus und seine Liebe zur Natur:

Das Bild zeigt die älteste Darstellung von Franziskus. Vermutlich ist sie noch zu seinen Lebzeiten entstanden. Franziskus ist ohne Wundmale und Heiligenschein dargestellt. Zu finden ist das Fresko in Subiaco, im Kloster San Benedetto, 70 km südlich von Terni gelegen. Bild: Wikipedia.

Franziskus wollte in der Natur leben – und nicht im Geschäft der Eltern. Sie sahen in ihm den zukünftigen Tuchhändler. Franziskus ging seinen eigenen Weg.

Gehorsamkeit muss nicht immer eine Tugend sein.“ Franziskus.

Zum Glück für uns hat Franziskus dem Druck seines Vaters widerstanden. Franziskus schrieb in seine Erinnerungen: (Bullierte Regel, Kapitel 10):

Es ist ohnehin verletzend und erniedrigend für den Geist und das Herz, wenn sie armseligen, rechtlichen Normen unterworfen werden sollen“. Franziskus.

Franziskus geht nach San Damiano. Bild: photovision.

Blick zurück nach Assisi.

Die Gedanken und die Gefühle sind frei. Ganz besonders beim Wandern und Pilgern. Trotzdem muss man auf den Weg achten.

Hier weist Frate Bernardino Bruder Pascal und seinen Mitbrüdern den richtigen Weg nach Assisi – auf dass sie sich nicht wieder verlaufen mögen. Immer der Sonne nach.

800 Jahre nachdem Franziskus auf der Romita war….2013 ….kam es zu einem Bruch zwischen dem Franziskaner Orden und Frate Bernardino. Der damals 74-Jährige wollte sein Lebensprojekt, die Romita, nicht verlassen. 2013 war ich zum ersten Mal auf der Romita. Frate Bernardino sagte uns Pilger:innen am Abendtisch:

„Der Orden hat mich deshalb verlassen. Ich habe den Orden nicht verlassen“.

Ab und zu ist ein kleiner Aufstand sehr zu empfehlen.

Thomas Jefferson.

Ihr Pelegrini (Ihr Pilger:innen), sagte der Franziskaner zu uns, erinnert die Menschen an den Sinn des Lebens. In Bewegung bleiben.

Beim Pilgern, gehen die Füße – und der Geist und Eure Geschichte kommen mit.

Bild: La Romita di Cesi.

Einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald.

Dieser Gedanke von Nazim Hikmet passt  zu Franziskus, Bernardino, der Romita, Sebastian Kneipp. Und warum nicht für uns alle.

 

Mit Franziskus nach Spoleto

Nach diesen intensiven Tagen war die Lust groß, in der Romita zu bleiben. Aber ich wollte ja noch Spoleto besuchen. Bei meiner ersten Pilger:innenreise hatte ich keine Bilder in Spoleto machen können; das wollte ich nachholen.

„Alzati e vai. Steh‘ auf und gehe“. Ich folgte kurzentschlossen den abreisenden Berlinern. Der frühe Bus nach Terni geht um kurz vor 7 Uhr. Die Glocke läutete extra für uns schon um halb 6 Uhr. Die Glocke läutete extra für uns schon um halb 6 Uhr.

Eine halbe Stunde abwärts bis zur Haltestelle. Vogelgezwitscher,

kühle Luft umfingen uns.

Und plötzlich brachen Wildschweine aus dem Unterholz. Franziskus sei Dank. Sie schenkten uns keinerlei Aufmerksamkeit. Puuuuh! Wir waren zu überrascht, um erschrocken zu sein.

Bild: Deutsche Wildtierstiftung.de

In Terni verabschiedete ich mich von den netten Berliner:innen. Die 15-jährige Mathilda bedankte sich bei mir, dass ich mitgeholfen hatte, den Wildschwein-zaun zu bauen. Ein Herzenswunsch von Frate Bernardino.

Terni wurde im II. Weltkrieg zerstört. Geblieben sind der Stadt an Schönheit die Römischen Kaskaden.

Bild: Valerio Clementi. https://www.wikiwand.com/de/Terni.

Spoleto 2013.

Eigentlich war ich fest entschlossen, am Abend wieder zurück in der Romita zu sein. Doch dann nahm ich den Zug erst nach 09 Uhr. Das Ticket kostet dann für 45 km einfach 2,95 Euro. Damit hatte sich das Heimkommen in die Romita für mich damit erledigt.

Ich rief vom Bahnhof aus im Kloster Bambino Gésu  – Jesuskind – an und bat um ein Nachtquartier. Ich kannte das liebenswerte Kloster bereits – hoch oben in Spoleto gelegen.

Nel blu, dipinto di blu. Felice di stare lassù..

In der Nähe der Stadt Spoleto hatte Franziskus seine Ritterrüstung niedergelegt, um fortan den Armen, den Kranken und der Natur zu dienen.

Hannibal kam hier 217 vor Christus vorbei. Am Trasimener See konnte  Hannibal die Römer schlagen.  Spoleto dagegen wehrte sich erfolgreich. Daran erinnert diese Inschrift.

Mindelheim Frundsbergfest 2018.

Der Stauferkaiser Barbarossa – der Rotbart – zerstörte dafür später Spoleto.

Als Barbarossa starb, war Franziskus 8 Jahre.

Lucrezia Borgia war Statthalterin für kurze Zeit. Spoleto war Zankapfel zwischen Papst und Staufern.

 

Spoleto ist eine Station auf dem Franziskuspilgerweg. Deren Fahnenschwinger besuchten 2018 das Frundsbergfest in Mindelheim.

In dem abgelegenen Tal von Spoleto ließen sich schon früh Franziskaner nieder. Von Spoleto kann man Assisi sehen – wie hier auf dem Bild.

Und hier in Spoleto sah ich Franziskus. Einen modernen Franziskus.

Mein moderner Franziskus wollte sicher zum Dom – also hinterher.

 

Im Dom von Spoleto wird der persönliche und herzliche Brief des Franziskus an Bruder Leo aufbewahrt.

Weil ich mich schon auskannte, konnte ich voller Stolz dem suchenden, modernen Franziskus zeigen, in welcher Seitenkapelle, gut versteckt, dieser Brief zu finden sei. In den Lichtschalter warf ich eine Münze ein. So konnte Franziskus den Brief seines Vorbruders besser betrachten.

Und wenn es Dir gut tut, zu mir zu kommen,

Bruder Leo, dann komm.

Heißt unter anderem in dem Brief.

Und es tut gut, zu Franziskus zu kommen – in dieser Umgebung.  Gut tun auch die wunderbaren Fresken von Frate Filipo Lippi. In die Fresken hatte ich mich schon 2013 verguckt.

Frate Filipo Lippi im Dom von Spoleto.

Der Meister der Frührenaissance malte die Madonna in einem Haus der Renaissance.

 

Filipo Lippi ist auch dafür berühmt, dass er, noch als Mönch, sich seine Frau aus einem Kloster geraubt hatte.

 

 

 

Gestärkt durch diese Bilder im Dom machte ich mich auf einen wunderbaren kleinen Pilgerweg hoch zum Kloster San Francesco in Monteluco.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Kloster liegt oberhalb von Spoleto.

Es ist bekannt für die 7 winzigen Zellen aus Weidengeflecht, in denen Franziskus lebte.

Der Weg führt vorbei an der Kirche St. Pietro – mit den einmaligen römischen Fassaden.

Vor dem Kloster fand ich wieder den gleichen Imbiss; wie vor 6 Jahren. Und ich freute mich wieder über Panini Caprese.

Aus dem Radio im Kiosk erklang das Lied Ich vertraue Dir – mi fido di te“ gesungen von Jovanotti .

Das Lied wird uns nun begleiten zum Kloster San Francesco, durch den Zauberwald von Monteluco, der schon in römischer Zeit Schutz genoss, und durch das Tal von Spoleto. Wo uns Goethe erwartet.

 

 

 

 

 

 

Franziskus!

Franzikus! Vom Kloster Montelucco kommend.

 

Das Kloster San Francesco in Monteluco wird von jahrhundertealten Buchenwäldern umgeben. In den winzigen Zellen soll Franziskus sein müdes Haupt niedergelegt haben. Gerade hier zeigt sich, dass ein Leben, wie es Franziskus und seine Brüder führten, ein Leben der Grenzerfahrungen ist, manchmal sogar ein Leben am „Abgrund“ – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. schreiben die Franziskaner in ihrer lesenswerten Website. http://www.franziskaner.net.

Die winzigen Zellen sind alle aus Weidengeflecht.

Michelangelo, der in der Nähe zur Welt kam, suchte hier seine Ruhe.

Mir gefiel das Bild, das Franziskus in Greccio zeigt. Im schönen Tal von Rieti. Dort organisierte  Franziskus die erste Weihnachtsfeier.

Ein schönes Bild: In Greccio organisierte Franziskus die erste Weihnachtsfeier.

Der Wald von Monteluco schmiegt sich um das Kloster San Francesco. 

Der Wald genoss schon in römischer Zeit Schutz.

Es gibt eine Bank mit einem Blick in das Tal von Rieti. Dort saß Franziskus.  Die Bank habe ich nicht gefunden.

Franziskus schrieb in seinen Erinnerungen: Nie sah‘ ich etwas Schöneres als das Tal von Spoleto.

 

Ein freundliches Ehepaar aus Neapel pickte mich auf – ich hatte mich verirrt, auf dem Weg zurück nach Spoleto.

„Wer nie vom Weg abkommt,
bleibt auf der Strecke.“
Jakobsweg Schongau.

Ich bin vom Weg abgekommen. Und Dank dieser freundlichen Autofahrer nicht auf der Strecke geblieben.
Ohne sie wäre es ein mühseliger Aufstieg gewesen, zur Brücke von Goethe.

Sie brachten mich zur großen Rolltreppe. Von der Mitte der Stadt führt eine Art Funiculare, automatische Treppen hoch zum Roque, und zur Brücke von Goethe. Der Ponte delle Torri.

Die Ponte delle Torri konnte ich 2013 noch überqueren – jetzt ist sie gesperrt.

Bei der Ponte delle Torri irrte sich Goethe. Sein von ihm bewundertes römisches Aquädukt stammt tatsächlich aus dem Mittelalter .

Goethe und ich verliebten uns in diese Brücke.

Alle Wege bahnen sich vor mir, weil ich in der Demut wandle“. J.W. Goethe 28.8.1749.

William Turner malte auf seiner „Grand Tour“ die Ponte delle Torri. Die Tate Gallery in London zeigt Goethes Brücke aus einer anderen Perspektive.

Goethes Brücke. William Turner. 1840. Tate Gallery. Bild: tate.org.uk.

Beschwingt laufe ich zurück nach Spoleto-Stadt.

Zu meiner freudigen Überraschung sah‘ ich von meinem Kloster „Bambino del Gesu“ die Goethe-Brücke wieder. Ich erinnerte mich an ein Gedicht, das ich in der Höhle von Poggio Bustone las. Dort, in diesem winzigen Dorf in Umbrien hatte sich Franziskus nach langem Hadern entschieden, einen Orden zu gründen.

Ich liebe die Sonne, ich liebe die Sterne. Ich mag Klara und ihren Schwestern so gerne. Die Herzen der Menschen und die schönen Dinge liebe ich, doch lieben dürfte ich doch nur Dich. Da lächelte Jesus und sagte: Franziskus: Ich liebe die Sonne, ich liebe die Sterne. Ich mag Klara und ihre Schwestern auch gerne. Die Herzen der Menschen und die schönen Dinge liebe auch ich. Hör auf zu weinen, ich verstehe Dich“.

Franziskus in Poggio Bustone.

„Viele Dinge findet man nur in der Nacht…

Aber nur, wenn man sie bei Tageslicht sucht.“
Stefan Brotbeck. Original-Leitspruch-Kalender.

Eine versteckte Kapelle in Spoleto. In der Nähe meines Klosters Bambino Gésu.

„Genuss ist Tugend“. Ich träume von der Romita, als ich allein durch Spoleto wanderte.

Ich entschloss mich, trotz Sehnsucht nach der Romita, in Spoleto noch eine Nacht zu bleiben. Hermann Hesse schrieb an seine Frau: „Liebste, Spoleto ist die schönste Entdeckung, die ich in Italien gemacht habe“ (Hermann Hesse, Italien).

„Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
klar und kostbar und schön.“ Franziskus Sonnengesang.

Am nächsten Tag brachte mich die Nummer B, ein Flexibus, in die Nähe von San Sabino. Kirche und Pfarrhaus liegen mitten zwischen Feldern – aber an der Via Flaminia.

Es war vor dieser Kirche San Sabino wo Franziskus sein Erleuchtungserlebnis gehabt haben soll. Das ihn letztendlich dazu brachte, dem Ritter-Leben zu entsagen.

Franzsikus begegnet einem mittellosen Ritter und schenkt ihm sein Gewand.  Bild: https://www.heiligenlexikon.de/Literatur/Szenen_Leben_Franziskus.html

Blick zurück nach Spoleto.

„Bussa e ti sara aperto“. Ich läutete am Pfarrhaus. Pfarrer Mirco sperrte die Kirche extra für mich auf. Kirche und Pfarrhaus liegen mitten zwischen Feldern In San Sabino kann man als Pilgernder auch übernachten.

Ich aber wollte einfach weiterlaufen. .. Richtung der legendären Quellen des Clitunno. Schon Plinius, ein Zeitzeuge des Vesuv-Ausbruchs, schwärmte von diesen Quellen. Andiamo.

Vorbei an San Giacomo – Die Kirche erzählt das Hühnerwunder des Jakobs-wegs. San Giacomo ist die 15. Station auf dem Franziskuspilgerweg.

Und ich ging weiter, den Apennin im Blick.

Freundliche Menschen versicherten mir, dass immer wieder Pellegrini die Straße entlang laufen würden. Doch der Weg wurde mir auf dieser Straße lang.

Trevi auf den Hügeln grüßt von weitem.

Bis ich endlich dieses Schild „Clitunno“ fand.

 

 

Besser ist es, auf diesen Asphalt-Straßen auf Italienisch zu pilgern und den Bus zu nehmen. Das Touristenbüro in Spoleto hat die Busfahrzeiten.

 

 

 

 

An der romanischen Kirche „Chiesa dei Santi Cipriano e Giustina“  kam auch Franziskus vorbei.

Hier kam Franziskus vorbei. Die romanische Kirche San Cipriano et Giustina.

Heute lassen die schwachen Spuren von Fresken à la Giotto erahnen, dass Italien oft viel zu leichtfertig mit seinen Schätzen umgeht. Dachte ich bei mir.

Dann endlich. Die Quellen des Clitunno – eine Oase der Stille.

Die Quellen des Clitunno sind eine Station auf dem Franziskuspilgerweg.

Die Leute in dem Café le Ninfe in Clitunno waren sehr nett, beraten und verkaufen auch die Bustickets,

 

 

 

 

 

Weiterlaufend entdeckte ich den Tempieto di Clitunno.

Aus einem römischen Tempel war eine christliche Kirche geworden.

Und immer stößt man auf Zeichen von Franziskus.

 

 

 

Um 17:23 h nahm ich dann wieder den Bus zurück nach Spoleto. Und verabschiedete mich dort von Goethes Brücke. Goethe hatte auf seiner Italienischen Reise diese Brücke bewundert und beschrieben. Das Erdbeben 2016 hat die Ponte delle Torri arg beschädigt. Heute kann man sie nicht mehr überqueren.

Brava Paola. Habe ich zu mir gesagt. Ich schaffte es, am nächsten Tag den Bus um 06:54 Uhr zu erwischen. Mein Ziel ist das Dorf Trevi auf den Hügeln. Trevi ist ein schönes Renaissance-Dorf in Umbrien. Möglicherweise – der schönste Ort Italiens.

Wieder hielt ein freundlicher Busfahrer für mich an. An der Stelle, wo der Weg nach oben geht. Nun diesmal weiß ich seinen Namen nicht. Auch nicht, ob alle Busfahrer in Italien so freundlich sind. Montgolfieri begrüßten mich.

1 Stunde Aufstieg.

Mit kleinen Weisheiten wie dieser verkürzte ich mir den Weg.

„Sei wie eine Briefmarke.
Bleib dran, bis Du am Ziel bist.“ Josh Billings.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alles war mir vertraut in Trevi.

 

Ich frühstückte wieder im „Café di Roma“.

Die Polizeistation ist gleich nebenan. Die Polizistin erklärte mir den Busfahrplan. So wusste ich, es blieb genügend Zeit zur Chiesa Madonna delle Lacrime, zur Kirche der Muttergottes mit den Tränen gehen zu können.

 

 

 

 

 

 

 

 

Und da liegt sie die Kirche. Eine der schönsten Renaissance-Kirchen Umbriens.

Und sie war offen. Es war ja noch Vormittag. Perugino  malte die weinende Madonna. Einer der wichtigsten Maler der Renaissance – Und Lehrer von Rafael.

Und ich fand endlich die Träne der Madonna delle Lacrime. 

 

Ich hatte noch Zeit, von dem schönen Trevi Abschied zu nehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trevi hat schöne Palazzi, mit schönen Gärten. Heute empfängt in diesem Palast das Tourismus-Büro. Und man kann sich in den Räumen umschauen und in den Garten gehen. Die Busstation ist nicht weit weg.

    

Im Palazzo des Tourismus-Büros verabschiedet dieser Herr der Renaissance.

Ich will nach Foligno.

 

 

 

 

Bus Italia fährt um 12:25 h nach Foligno.

Die Via Flaminia machte die Stadt Foligno zu einem wichtigen Handelsort.

Vor dem Dom von Foligno

verkaufte der junge Franziskus die Tuchwaren, die er im Laden seines Vaters hatte mitgehen lassen.

Vielleicht war der Verkauf der Stoffe auch sein Protest gegen die Tuch-Manufakturen im damaligen Italien. Sie lockten die Bauern aus den Dörfern in die Städte. Die Felder wurden nicht  bestellt. Hungersnöte brachen damals aus.

Mit dem Erlös der verkauften Stoffe baute Franziskus das verfallene Kirchlein San Damiano in Assisi weiter. Der Verkauf der Stoffe führte zum Bruch mit seinem Vater.

Franziskus geht nach San Damiano.

Franziskus brachte Frauen große Achtung entgegen. Starke Frauen wirkten auch in Foligno. 200 Jahre nach Franziskus und Klara gründete die Adelige Dame Sandrina, das schöne Klarissenkloster Santa Lucia.

Im Kloster Sant’Anna in der Via die Monasteri 46 lebt noch heute eine Gemeinschaft der Beginen.

Der „Stupor Mundi“ Friedrich der II., Enkel von Barbarossa, wuchs in Foligno auf. Sehr wahrscheinlich sind sich Franziskus und Friedrich begegnet. Horst Stern lässt sie in seinem Buch „Mann aus Apulienmiteinander reden.

An der Porta Romana begegnete ich wieder dem Franziskus von Spoleto. Als ich ihn ansprach, telefonierte er gerade um ein Nachtquartier und unterbrach sein Gespräch – wegen mir. Ohne mich, sagte er, hätte er den Brief von Franziskus an Bruder Leo nicht gefunden. Im Dom von Spoleto.

 

Der „Franziskus von Spoleto“ war tatsächlich ein Kapuziner. Die Kapuziner sind mit den Franziskanern verwandt. Die Kapuze ist bei ihnen an das Gewand genäht. Das Bild: Bruder Giuseppe sagte mir, dass sein „padre spirituale“ es ihm erlaube, dass die Leute Fotos von ihm machen dürften. Aber eben nicht für das Internet. Das respektiere ich und so sehen Sie sein Gesicht verwischt – auch wenn ich Ihnen sein Lächeln gerne gezeigt hätte.

Ich erzählte dem 28-jährigen Bruder Guiseppe von dem Buch l’uomo che cammina, der Mann der geht. Ich hatte es einst in Greccio gedeckt. Einer Station des Pilgerweges. Im schönen Tal von Rieti. Das Buch erzählt von der Leidenschaft von Franziskus für das Leben.

Ohne Unterlass geht er. Und sein Wort ist wie er, ständig in Bewegung. Wir verstehen, dass das Leben so wie sein Leben ist. In Bewegung sein, ohne Ziel. Wir leben …und die Reise führt ins Ungewisse“.

 

Greccio. Damals traute ich mich nicht, um eine Unterkunft zu bitten.

Das schöne Tal von Rieti. Franziskus hat es geliebt.

Das Lied Gianna und Italienische Impressionen begleiten uns jetzt auf dem Weg zum Bahnhof in Foligno. In einem netten Lokal lernte ich noch die Umbrische Variante der Pizza kennen: La Crescia.

San Giacomo – Schöne Gotik.

San Giacomo. Schöne Gotik.

1848: Sebastian Kneipp studiert in Dillingen. Garibaldi macht Revolution.

 

 

 

 

 

 

 

In einem netten Lokal am Bahnhof lernte ich die Crescia kennen.

Crescia heißt die umbrische Variante der Pizza. Ein Teigfladen aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz, bei hoher Temperatur im Ofen gebacken. Die Zutaten waren im Haushalt immer vorrätig, ebenso Kräuter, die die Frauen jeden Morgen von den Feldern nach Hause brachten.

Bild: L.Scolastra. Süddeutsche.

Gestärkt von der Crescia, hätte ich es noch nach Pian d‘Arco geschafft.  Von Foligno nach Pian d‘Arco wären es nur noch 10 km gewesen. An diesem winzigen Ort soll Franziskus den Vögeln gepredigt haben.

Predica agli uccelli * Franziskus predigt den Vögeln. Giotto.

Franziskus wollte schon damals erreichen, dass die Vogeljagd verboten wird. Er hat Kaiser Friedrich um Hilfe gebeten. Ich wollte aber zurück, zur Romita. Dort hört man die Vögel besonders schön. So als ob sie Franziskus danken wollten.

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